Das pädagogische Konzept

Kinderkrippe Alois Schwarz Platz

Emotionalität/Bindung/Eingewöhnungszeit

Emotionalität ist der Punkt um den sich alles dreht. Hierbei geht es vor allem darum, eine Bindung zum Kind aufzubauen. Bindung ist eine stabile, sichere und gefühlsmäßige Beziehung zwischen Kleinkind und Bezugsperson. Emotionale Bindung ist die Voraussetzung, dass das Kleinkind angstfrei Unabhängigkeit von einer oder mehreren Bindungspersonen gewinnen kann. Erst wenn eine emotionale Bindung entstanden ist, kann das Kind beginnen, seine Umwelt zu erforschen. Die damit verbundenen Erfahrungen wirken sich fördernd auf die motorischen und kognitiven Fähigkeiten, sowie auf die Sprache aus.

Die Entstehung einer emotionalen Bindung hängt aber auch vom Grad der Einfühlsamkeit ab.

Für uns bedeutet das, die Kinder anfangs zu beobachten und niemals zum Mitspielen zu zwingen. Die Kinder wollen oft nur zusehen und noch nicht am Gruppengeschehen teilnehmen. Wir sollten durch aktives und intensives Beobachten erkennen, was die Kinder brauchen. ( Singen sie gerne oder wollen sie lieber bauen? Spielen sie gerne alleine oder mit uns gemeinsam?) Viele Kinder brauchen in dieser Zeit besondere und intensive Aufmerksamkeit. Deshalb sind wir in unserer Kinderkrippe immer zu zweit, damit wir auch die Zeit haben uns mit den Kindern intensiv zu beschäftigen (halten, trösten, spielen etc.) Wichtig für uns ist es im Bezug auf Vertrauen immer wieder unser eigenes, pädagogisches Handeln zu überprüfen, damit sich keine Routine einstellt. Für die Entstehung von Vertrauen ist es notwendig, dass die Kinder die Kinderkrippe regelmäßig, aber am Anfang nur für eine kurze Zeit, besuchen. Deshalb spielt die Gestaltung der Eingewöhnungszeit eine große Rolle. Wir möchten nun beschreiben, wie sich ein Kind während der ersten Zeit fühlt, und wie diese Zeit bei uns gestaltet wird:

Das Kind kommt in eine fremde Umgebung. Aber nicht nur die Umgebung, sondern auch die Betreuer und die anderen Kinder sind ihm unbekannt.

Deshalb ist es wichtig, dass eine Bezugsperson (Elternteil, Großeltern), zu dem das Kind bereits eine feste Bindung aufgebaut hat, gemeinsam mit dem Kind die Kinderkrippe besucht. So haben sowohl die Eltern als auch das Kind die Möglichkeit sich das Gruppengeschehen anzuschauen (Tagesablauf, Umgang zwischen uns und den Kindern etc.)

Das Kind hat die Sicherheit, dass die Bezugsperson da ist und kann sich so langsam auf den Weg machen, um seine Umwelt zu erforschen. Beispielsweise holt es sich ein Spielzeug aus dem Regal oder spielt mit einem anderen Kind. Langsam und vorsichtig beginnt das Kind, Kontakt zu uns aufzunehmen.

Nach zwei Tagen gemeinsamen Besuchs, wenn die neue Umgebung nicht mehr ganz fremd ist, gehen die Eltern für eine kurze Zeit weg (halbe Stunde - Stunde).

Das Kind bleibt alleine in der Kinderkrippe, wenn sich die Bezugsperson verabschiedet und versichert hat, dass sie bald wiederkommt. Der Abschied ist ganz wichtig. Oft fällt er den Kindern zwar sehr schwer, aber sie wissen, dass sie nun alleine sind. Wenn sich die Eltern einfach wegschleichen, fühlt sich das Kind verlassen und könnte Verlassenheitsängste bekommen. Immer verabschieden !!!

Das Kind macht nun die ersten Erfahrungen mit Trennung. Es ist alleine ohne Bezugsperson. Deshalb ist es wichtig, dass die erste Abwesenheit der Eltern nicht zu lange dauert. Das Kind muss die Sicherheit gewinnen, dass es wieder abgeholt wird. Diese Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, eine Bindung zu uns aufzubauen und auf die anderen Kinder zu zugehen. Nur dann kann es seine Umwelt erforschen und Ideen und Aktivitäten entwickeln.

Unsere Eingewöhnungswoche sieht so aus:

  • Montag und Dienstag: Gemeinsamer Besuch der Kinderkrippe (von 10:00-11:00 Uhr)
  • Mittwoch: Bezugsperson geht für kurze Zeit weg (zwischen 10:00-11:00 Uhr)
  • Donnerstag und Freitag: Das Kind kommt um 9:00 Uhr zur Vormittagsjause und bleibt bis ca. 11:00 Uhr.
  • 2. Woche: Ganztagskinder besuchen die Kinderkrippe in dieser Woche nur am Vormittag. (individuelle Änderungen sind vorbehalten)

Sozialverhalten

Ein wichtiges Ziel in unserer Arbeit ist die Förderung der Selbständigkeit und hiermit auch der Selbstbestimmung. Das bedeutet, dass das Kind immer mehr, entsprechend seinem Entwicklungsstand, zu selbständigen Entscheidungen befähigt werden soll. Dieses Selbstbestimmen und selbständige Tun können dem Kind ein Erfolgserlebnis bringen. Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen erfährt allerdings, durch das der anderen Personen oder der Gruppe, Begrenzungen.

Unsere Aufgabe ist es, den Kindern und der Gruppe Grenzen und Regeln zu setzen. Die Grenzen müssen so gesetzt werden, dass sie die Kinder verstehen und auch akzeptieren können. Wichtig hierbei ist es , dass wir unsere Machtposition nicht ausnutzen und einfach bestimmen, sondern dem Kind wirklich verständlich machen, warum diese Regeln bei uns in der Kinderkrippe notwendig sind.

In vielen Situationen müssen Kompromisse geschlossen und Alternativen gefunden werden. Beispiel: Wenn ein Kind ein Spielzeug möchte, und ein anderes spielt gerade damit. In diesem Moment kann ich dem Kind versprechen, dass es das Spielzeug bekommt, wenn der/die andere fertig ist. Bis dahin, kann ich im ein anderes Spiel anbieten. Das Kind kann entscheiden, ob es das andere Spiel möchte, oder ob es warten will.

Wichtig bei diesem Beispiel ist es, mein Versprechen zu halten und darauf zu achten, dass das Kind im Anschluss das gewünschte Spiel bekommt. Versprechen halten gehört zu der im Eingangsspruch erwähnten "Echtheit". Die Kinder müssen merken, dass wir hinter unserem Verhalten stehen und es ehrlich meinen.

Deshalb ist es für das Gruppengeschehen notwendig, dass zwischen den Betreuerinnen Einigkeit über die Regeln besteht.

Zur Förderung der Selbständigkeit gehört es auch, die Kinder Konflikte selbst lösen zu lassen und nur, wenn nötig (Handgreiflichkeiten), einzuschreiten. Wenn wir um Hilfe gebeten werden, um einen Streit zu schlichten, bemühen wir uns darum, dass ein Kompromiss gefunden wird. Sollte einer dem anderen wehgetan haben, möchten wir, dass er sich dafür entschuldigt.

Die Kinder kommen ab ca. 12 Monaten in unsere Kinderkrippe. Sie sind zu Hause oft der Mittelpunkt der Familie und können sich noch nicht in einer Gruppe zurecht finden. Erst ganz langsam lernen, sie sich an Regeln zu halten. Sie begreifen, dass auch die anderen Kinder Bedürfnisse haben. Die Kinder wachsen langsam in die Gruppe hinein.

Die Wahrnehmung

Wahrnehmen ist ein aktiver Prozess, bei dem sich das Kind mit allen Sinnen seine Umwelt aneignet und sich mit ihren Gegebenheiten auseinandersetzt. Durch die Sinne begegnet es den Lebewesen und Dingen, es kann sie sehen, hören, befühlen und anfassen, kann sie schmecken und riechen, sich mit ihnen bewegen.

Das Greifen ist immer auch ein Begreifen, das Fassen ein Erfassen. Das Kind erfährt - bevor es sich sprachlich mitteilen kann - bereits ein Wissen über räumliche Beziehungen, und es besitzt dieses Wissen aufgrund seiner Erfahrungen durch Wahrnehmung und Bewegung.

Jedoch ist es nicht so, dass die Sinne eines Tages da sind und einwandfrei funktionieren, sondern sie brauchen Übung, um sensibel wahrnehmen zu können. Die Sinnesorgane brauchen Anregungen um zu funktionieren. Wenn sie nicht benutzt werden, stumpfen sie ab.

Vor allem Kinder in den ersten Lebensjahren benötigen vielseitige Sinneserfahrungen. Hier liegt unsere Aufgabe, dem Kind eine vorbereitete Umgebung zu schaffen, wo es diese Erfahrungen machen kann. Das heißt für uns einerseits, dem Kind den Freiraum zu geben eigene Erfahrungen zu machen, ohne es zu belehren oder zu fordern. Andererseits bieten wir dem Kind aber auch gezieltes Material an, um bewusst nur einen Sinn zu schulen.

Gezieltes Material

  • Sehsinn: verschiedene Farbspiele
  • Gehörsinn: Geräuschdosen, Musikinstrumente
  • Tastsinn: Tastmemory
  • Geruchsinn: Geruchskim
  • Geschmacksinn: Geschmackskim

Bei uns haben die Kinder während dem Freispiel, dem Spazieren gehen oder beim Spielen im Freien, Zeit und Raum ihre Umwelt wahrzunehmen. Wir versuchen darauf zu achten, dass die Kinder lernen, ihre Mitmenschen und deren Bedürfnisse wahrzunehmen. Das heißt, die Kinder sollen sensibel darauf werden, wenn ein Kind traurig ist oder lieber alleine spielen möchte.

Die Motorik

Die motorische Entwicklung des Kindes darf nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit anderen Bereichen betrachtet werden (sozial-emotionaler Bereich, Entdeckung der Umwelt, Sprache und Wahrnehmung).

Gehen, laufen, klettern, hüpfen, schieben, werfen, kriechen usw. sind von großem Interesse für Kleinkinder und erzeugen viele Sinneseindrücke vom Gleichgewichtsystem und von der Eigenwahrnehmung.

Gerade in der Kinderkrippe, wo sich viele Kinder in einem Raum aufhalten, ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die Kinder genügend Möglichkeit zur Bewegung haben.

Wenn es das Wetter zulässt, gehen wir jeden Tag vor dem Mittagessen spazieren oder spielen in unserem Garten. So können sich die Kinder bewegen und sind gleichzeitig an der frischen Luft.

Wichtig beim Spielen im Freien ist es dem Kind seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen und nicht zu ängstlich zu reagieren. Beispiel: Wenn ein Kind auf ein Klettergerüst alleine hinauf steigt, dann sollte es wenn möglich auch alleine wieder hinuntersteigen können, ohne Hilfe. Das heißt, wir stehen zwar dabei, um einen Unfall zu verhindern, greifen aber nur ein, wenn es unbedingt notwendig ist. Das Kind soll selbst erfahren, was es kann und vielleicht noch nicht kann. Hier und da ein paar blaue Flecken und Tränen machen das Kind um ein paar Erfahrungen reicher.

Auch wenn das Wetter keinen Aufenthalt im Freien zulässt, haben die Kinder bei uns genügend Gelegenheit sich zu bewegen. Mit verschiedenen Bewegungsspielen und abwechslungsreichen Turnstunden (Bohnensäckchen, Bälle, Tücher etc.) sorgen wir dafür, dass die Kinder Freude an der Bewegung entwickeln.

Um die Motorik der Kinder zu fördern, gibt es bei uns auch noch genügend Möglichkeiten zu malen, basteln, drucken, kneten usw.

Die Bewegung ist ein Grundbedürfnis der Kinder und es ist uns ein Anliegen, dass sie bei uns genügend Möglichkeit haben, dieses zu befriedigen.

Die Sprache

"Nichts schmeckt so gut, wie ein Wort auf der Zunge, dass man dem anderen schenken möchte."

Die Entwicklung der Sprache ist stark von der Umwelt abhängig: Der Mensch wird mit der generellen Fähigkeit geboren, alle Laute bilden zu können. Welche Laute und Lautverbindungen sich aber stärker und überhaupt ausbilden, hängt von der jeweiligen Sprache der das Kind umgebenden Gesellschaft ab.

Die Sprache hat einen wichtigen Anteil an der menschlichen Kommunikation. Wenn wir sprechen können, können wir Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse ausdrücken. Die Sprache dient auch als Kontaktaufnahme.

Das Sprachverständnis des Kleinkindes befindet sich noch in der Entwicklung. Es kann noch nicht alle Worte richtig verstehen. Deshalb ist es ganz wichtig mit Gestik und Mimik zu arbeiten, um dem Kind unsere Äußerungen zu verdeutlichen. Bei der Kommunikation zwischen uns und dem Kleinkind, sollten wir eine "warme Atmosphäre" schaffen. Das heißt: Wenn mit dem Kind gesprochen wird, sollte man sich auf die Augenhöhe des Kindes begeben, damit sich der Erwachsene und das Kind in die Augen schauen können. Wir achten darauf, dass wir die Kinder im Gespräch respektvoll behandeln und in dem was wir sagen, immer ehrlich sind. Beispiel: Wenn ich dem Kind verspreche, dass ich nach dem Wickeln ein Bilderbuch mit ihm anschaue, muss ich das auch halten.

In unserer Arbeit ist es wichtig, die Bindung zwischen dem Kind und der Kleinstkindpädagogin nicht durch unüberlegte Äußerungen zu zerstören. Niemals sollte in Anwesenheit des Kindes über dieses oder dessen Umfeld gesprochen oder geurteilt werden.

Da die Kinder erst sprechen lernen, brauchen sie oft länger, bis sie sich artikulieren können. Wir achten darauf, dem Kind Zeit zu lassen und es nicht zu verbessern.

Um den Wortschatz der Kinder zu erweitern und zu vertiefen, versuchen wir möglichst viele Handlungen verbal zu begleiten (anziehen, wickeln etc.). Mit Bilderbüchern, Fingerspielen, Bildgeschichten, aber auch mit mundmotorischen Übungen, wie Tierlaute nachahmen oder Watte blasen, möchten wir die Freude der Kinder an der Sprache wecken.