Wie muss eine Stadt gestaltet sein, damit sie auch in Zukunft an heißen Sommertagen lebenswert bleibt? Eisenstadt setzt dabei langfristig auf mehr Grün, natürliche Beschattung und klimaresiliente Freiräume. Ein weiterer Baustein wird im kommenden Herbst unweit der Leinnerkreuzung umgesetzt: Dort entsteht ein neuer Miniwald, dessen Entwicklung vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) wissenschaftlich begleitet wird. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen des grenzüberschreitenden EU-Projekts „ROOTS – Resilient Outdoor Oases for Town Sustainability“, das Miniwälder als naturbasierte Lösung zur Klimaanpassung und Förderung der Biodiversität untersucht. „Klimaanpassung besteht nicht aus einzelnen Aktionen. Wir verfolgen einen langfristigen Weg und überlegen bei der Entwicklung unserer Stadt immer stärker mit, wie wir mit Hitze, Trockenheit und veränderten klimatischen Bedingungen umgehen. Der Miniwald ist ein weiterer konkreter Baustein dieser Strategie“, sagt Bürgermeister Thomas Steiner.
Längere Hitzeperioden stellen ganze Regionen vor neue Herausforderungen. Asphalt, Beton und andere versiegelte Oberflächen heizen sich stark auf und geben die gespeicherte Wärme nur langsam wieder ab. Umso wichtiger werden Bäume und zusammenhängende Grünflächen. Sie schaffen natürliche Beschattung und können durch Verdunstung zur Abkühlung ihrer unmittelbaren Umgebung beitragen. Die Stadt hat deswegen ein umfangreiches Entsiegelungsprogramm gestartet. Darüberhinaus werden die bestehenden Grünflächen gescreent und noch mehr Schattenplätze geschaffen. Genau hier setzt auchder neue Miniwald an. Auf einer vergleichsweise kleinen Fläche entsteht eine dichte und artenreiche Struktur aus Bäumen und Sträuchern. Neben dem kühlenden Effekt soll die Fläche auch zur biologischen Vielfalt und zu einer besseren Wasserrückhaltefähigkeit beitragen.
„Wir müssen heute darüber nachdenken, wie sich Eisenstadt in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren anfühlen soll. Wo Menschen unterwegs sind und sich aufhalten, brauchen wir ausreichend Grün und Schatten. Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen. Deshalb müssen wir diese Entscheidungen vorausschauend treffen und heute die Grundlagen für die Stadt von morgen schaffen“, betont Steiner.
Das BFW ist Lead Partner des EU-Projekts ROOTS, das gemeinsam mit Partnern im österreichisch-ungarischen Grenzraum umgesetzt wird. Neben Eisenstadt sind weitere Standorte in Österreich und Ungarn vorgesehen. Unterschiedliche Pflanzdesigns, Artenzusammensetzungen und Pflegekonzepte sollen wissenschaftlich untersucht und miteinander verglichen werden.
Für die wissenschaftliche Begleitung ist seitens des BFW unter anderem Erik Szamosvári, MSc, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter im Bereich Herkunftsforschung und Züchtung am Institut für Waldwachstum, Waldbau und Genetik, eingebunden.
Vom einzelnen Baum zur langfristigen Strategie
Der Miniwald reiht sich in die laufenden Begrünungsmaßnahmen der Stadt ein. Eisenstadt setzt bei Neupflanzungen bereits verstärkt auf Baumarten, die mit Hitze und den besonderen Bedingungen des urbanen Raums zurechtkommen. Allein seit 2019 wurden über 2000 Bäume im öffentlichen Raum gesetzt. Dabei geht es nicht darum, mit einzelnen Projekten kurzfristige Effekte zu erzielen. Vielmehr sollen Begrünung, Beschattung und die Gestaltung des öffentlichen Raums langfristig zusammenspielen.
„Eine Stadt klimafit zu machen ist eine Aufgabe über viele Jahre. Es geht nicht um die eine große Maßnahme und auch nicht um viele kleine Aktionen ohne Zusammenhang. Entscheidend ist ein klarer Plan, den wir Schritt für Schritt umsetzen – vom einzelnen Straßenbaum über beschattete Aufenthaltsbereiche bis hin zu neuen Ansätzen wie diesem Miniwald“, so Steiner. Die Pflanzung unweit der Leinnerkreuzung ist für den kommenden Herbst vorgesehen. Danach wird sich die Fläche über Jahre weiterentwickeln. Die wissenschaftliche Begleitung soll gleichzeitig Erkenntnisse liefern, die auch in zukünftige Begrünungs- und Stadtentwicklungsmaßnahmen einfließen können.
„Wir gestalten heute das Eisenstadt, in dem die nächste Generation leben wird. Mehr Grün, mehr Schatten und widerstandsfähige Freiräume sind deshalb keine kurzfristigen Projekte, sondern eine Investition in die langfristige Lebensqualität unserer Stadt“, so Bürgermeister Steiner abschließend.
