Die jahrelangen Investitionen der Stadt Eisenstadt in Stadtbus, Radinfrastruktur und nachhaltige Mobilität zeigen messbare Wirkung. Das belegt die neue Mobilitätsbefragung der Universität für Bodenkultur Wien. Im Vergleich zur letzten großen Erhebung 2013 hat sich das Mobilitätsverhalten in Eisenstadt deutlich verändert: Der Anteil der mit dem eigenen Auto zurückgelegten Wege sinkt, während öffentlicher Verkehr und Fahrrad massiv zulegen. Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung beim öffentlichen Verkehr: Sein Anteil hat sich innerhalb von zwölf Jahren nahezu verachtfacht. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr bewusst in Alternativen zum Auto investiert. Der Stadtbus, der Ausbau der Radwege und bessere Bedingungen für nachhaltige Mobilität waren keine Einzelmaßnahmen, sondern Teil einer langfristigen Strategie. Jetzt sehen wir schwarz auf weiß: Diese Strategie wirkt. Immer mehr Menschen lassen für einzelne Wege das Auto stehen und entscheiden sich für Bus, Fahrrad oder andere Alternativen“, so Bürgermeister Thomas Steiner.
Das deutlichste Plus zeigt sich beim öffentlichen Verkehr (ÖV). 2013 wurden lediglich 1,4 Prozent aller Wege der Eisenstädter Bevölkerung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. 2025 sind es bereits 11,3 Prozent. Damit hat sich der ÖV-Anteil beinahe verachtfacht. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Stadtbus, den es bei der ersten Erhebung 2013 noch gar nicht gab. Heute entfallen bereits 5,7 Prozent aller Wege der Eisenstädterinnen und Eisenstädter allein auf den Stadtbus. Der Anteil des Regional- und Fernverkehrs mit Bus und Bahn ist auf 5,3 Prozent gestiegen. Auch daran hat der Stadtbus einen großen Anteil, weil er als Zubringer dient und damit einen wichtigen Hebel darstellt. Auch die BOKU hält in ihren Schlussfolgerungen ausdrücklich fest, dass der steigende Anteil des öffentlichen Verkehrs mit der Einführung des Stadtbusses in Zusammenhang steht.
Die BOKU-Experten – Juliane Stark und Reinhard Hössinger - sehen in den Ergebnissen eine klare Verschiebung des Modal Split. Besonders aussagekräftig sei dabei nicht die Entwicklung eines einzelnen Verkehrsmittels, sondern die Kombination: Der Anteil des Pkw-Verkehrs geht zurück, während öffentlicher Verkehr und Fahrrad gleichzeitig deutlich zulegen. Aus Sicht der Experten zeigt sich darin die Wirkung der zielorientierten Verkehrspolitik der vergangenen Jahre. Innerhalb von zwölf Jahren ist der Anteil der ÖV-Wege um rund zehn Prozentpunkte gestiegen. „Die Daten zeigen, dass mit einem attraktiven Angebot tatsächlich eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens erreicht werden kann. Die Einführung des Stadtbusses ist dabei ein wesentlicher Faktor“, betonen die beiden unisono.
Radverkehr mehr als verdreifacht
Auch beim Radverkehr sehen die BOKU-Experten eine klare Entwicklung. Von einem niedrigen Ausgangsniveau kommend hat sich dessen Anteil seit 2013 mehr als verdreifacht. „Das ist ein starkes Signal dafür, dass Investitionen in sichere und attraktive Radinfrastruktur auch im tatsächlichen Mobilitätsverhalten sichtbar werden“, so Stark. 2013 wurden 1,8 Prozent der Wege mit dem Fahrrad beziehungsweise mit dem E-Bike oder E-Scooter zurückgelegt. 2025 liegt dieser Anteil bei 5,9 Prozent – und damit mehr als dreimal so hoch. Die Investitionen der vergangenen Jahre in neue Radwege, Lückenschlüsse und sichere Verbindungen schlagen sich damit zunehmend im tatsächlichen Mobilitätsverhalten nieder.
Autofahrten gehen deutlich zurück
Gleichzeitig verliert das Auto als Verkehrsmittel an Dominanz. Wurden 2013 noch 57,2 Prozent aller Wege von Pkw- oder Motorradlenker:innen zurückgelegt, sind es 2025 noch 49,7 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 7,5 Prozentpunkte. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei den täglich gefahrenen Kilometern. 2013 legten die Eisenstädter und Eisenstädterinnen durchschnittlich 25,7 Kilometer pro Tag als Pkw- oder Motorradlenker zurück. 2025 sind es nur noch 15,5 Kilometer. Damit werden heute nicht nur anteilig weniger Wege mit dem Pkw zurückgelegt – die täglich mit dem Pkw gefahrene Strecke ist noch stärker gesunken, weil auch die Anzahl der Wege pro Tag gesunken ist. Vermutete Ursachen sind gesellschaftliche Trends wie zum Beispiel vermehrtes Homeoffice, online-Services und virtuelle statt physische Kontakte. Fasst man Zu-Fuß-Gehen, Fahrrad beziehungsweise E-Scooter und öffentlichen Verkehr als Umweltverbund zusammen, zeigt sich die Dimension der Veränderung besonders deutlich. 2013 entfielen 29,4 Prozent aller Wege auf den Umweltverbund. Heute sind es bereits 40,7 Prozent. Innerhalb von zwölf Jahren ist der Anteil des Umweltverbundes um mehr als elf Prozentpunkte gestiegen. „Das sind sensationelle Ergebnisse“, so Bürgermeister Thomas Steiner. Demgegenüber ist der Anteil der Wege im motorisierten Individualverkehr – als Fahrer:in oder Mitfahrer:in – von rund 70,6 auf 58,3 Prozent gesunken. „Das ist für uns vor allem eine Bestätigung, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Unser Ziel war und ist nicht, den Menschen das Auto wegzunehmen. Wir wollen echte Alternativen schaffen, damit man bei möglichst vielen Wegen eine Wahl hat. Genau das gelingt offensichtlich immer besser“, betont Steiner.
Stadtbus verändert Mobilität
Wie sehr sich das Verkehrsangebot verändert hat, zeigt insbesondere der Stadtbus. Seit seiner Einführung wurde das Liniennetz laufend weiterentwickelt und das Angebot ausgebaut. Mit der Umstellung auf Elektrobusse wurde zuletzt auch der Betrieb selbst klimafreundlicher. Die aktuellen Zahlen zeigen nun erstmals in dieser Deutlichkeit, dass das Angebot nicht nur angenommen wird, sondern das Mobilitätsverhalten in der Stadt nachhaltig verändert hat. Besonders sichtbar ist das etwa bei Arbeits- und Ausbildungswegen: Bei den Wegen zur Arbeit liegt der ÖV-Anteil 2025 bei 17,4 Prozent, bei Wegen zu Schule und Ausbildung sogar bei 36,4 Prozent.
Der nächste Schritt: kurze Autofahrten ersetzen
Die Studie zeigt gleichzeitig, wo weiteres Potenzial liegt. Gerade auf kurzen Strecken wird das Auto noch häufig verwendet. Bei Wegen bis fünf Kilometer legen Eisenstädter 45,1 Prozent der Wege selbst mit Pkw oder Motorrad zurück. Selbst bei Strecken unter drei Kilometern beträgt dieser Anteil noch 41,7 Prozent. Hier will die Stadt weiter ansetzen. Grundlage dafür ist eine laufende Beobachtung der tatsächlichen Verkehrsströme: Wo bewegen sich Menschen mit dem Auto, mit dem Rad oder zu Fuß, wo kreuzen sich Wege und wo entstehen Barrieren? Genau dort sollen einfache und sichere Verbindungen geschaffen werden.
„Wir sind noch lange nicht am Ziel. Gerade auf kurzen Wegen steckt enormes Potenzial. Wenn der Weg zur Arbeit, zum Einkauf oder in die Innenstadt sicher und bequem mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Bus möglich ist, entscheiden sich immer mehr Menschen freiwillig dafür. Dafür müssen wir sehr genau hinschauen, wo die Menschen tatsächlich unterwegs sind und wo ihre Wege heute unterbrochen oder unnötig schwierig sind. Dort braucht es sichere Querungen, durchgängige und möglichst getrennte Radverbindungen, gut nutzbare Fußverkehrsinfrastrukturund dort, wo es notwendig ist, auch verkehrsberuhigende Maßnahmen. Gleichzeitig machen Beschattung, Bäume und Grünräume das Zu-Fuß-Gehen attraktiver. Unser Ziel ist es, für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer möglichst einfache, barrierefreie und sichere Wege zu schaffen“, so Steiner.
In Summe fällt die wissenschaftliche Schlussfolgerung entsprechend positiv aus: Die Verschiebungen im Modal Split bestätigen die Entwicklung hin zu einer klimafreundlicheren, sicheren und vielfältigeren Mobilität. „Für Eisenstadt ist das Bestätigung und Auftrag zugleich: Der eingeschlagene Weg funktioniert – und sollte konsequent weitergeführt werden“, fasst Hössinger zusammen. Die Mobilitätsbefragung wurde im Auftrag der Stadt vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur Wien unterstützt durch Studierende durchgeführt. Befragt wurden Bewohner:innen sowie Berufs-, Ausbildungs- und Einkaufspendler:innen. Insgesamt konnten 789 vollständig verwertbare Fragebögen efragungen ausgewertet werden.
