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Aus Eisenstadt

Eisenstadt beschließt Klimafahrplan 2040

Breiter politischer Konsens für eine klimaneutrale Zukunft

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat der Freistadt Eisenstadt den Klimaneutralitätsfahrplan Eisenstadt 2040 beschlossen. Der Maßnahmenplan wurde mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und Grünen – insgesamt 28 von 29 Gemeinderätinnen und Gemeinderäten – angenommen und geht nun in die konkrete Umsetzungsphase. „Eisenstadt ist eine Stadt mit großer Geschichte – und mit einer ebenso klaren Vision für die Zukunft. Als Landeshauptstadt übernehmen wir Verantwortung für unsere Umwelt, für kommende Generationen und für die Lebensqualität aller Menschen, die hier leben und arbeiten“, betont Bürgermeister Thomas Steiner im Beisein der 2. Vizebürgermeisterin Charlotte Toth-Kanyak (SPÖ), Klubobfrau Samara Sánchez Pöll (Grüne) und Forschung Burgenland-Chef Marcus Keding bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Der Klimafahrplan ist der strategische Rahmen für den Weg Eisenstadts zur Klimaneutralität bis spätestens 2040 und bündelt erstmals alle klimarelevanten Handlungsfelder der Stadt in einem ganzheitlichen, langfristigen Konzept. Er versteht sich als strategischer Leitfaden und Arbeitsgrundlage für Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft. Er baut auf bestehenden Projekten auf, macht bisherige Aktivitäten sichtbar und ergänzt sie um neue, klar strukturierte Maßnahmen – auf knapp 90 Seiten.

„Der Weg zur Klimaneutralität ist anspruchsvoll, aber machbar – und er hat in Eisenstadt längst begonnen. Mit dem Klimafahrplan schaffen wir Orientierung, Verbindlichkeit und Planungssicherheit“, so Bürgermeister Steiner. Der Klimafahrplan spannt einen breiten thematischen Bogen und adressiert alle wesentlichen Bereiche des städtischen Lebens:

  • Energie, etwa durch den weiteren Ausbau der Fernwärme, erneuerbarer Energien und Energiegemeinschaften
  • Gebäude, mit Fokus auf Sanierung, Energieeffizienz und den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen
  • Mobilität, durch die Stärkung von öffentlichem Verkehr, Rad- und Fußverkehr sowie emissionsarmen Antrieben
  • Abfallwirtschaft, mit Maßnahmen zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft
  • Stadtentwicklung, mit Entsiegelung, Begrünung und klimafitter Raumplanung

Der Fahrplan definiert dabei nicht nur Ziele, sondern auch Prioritäten und einen Umsetzungsrahmen für die kommenden Jahre.  Er setzt bewusst auf eine Mischung aus großen strategischen Maßnahmen und kleineren, rasch wirksamen Initiativen, die Schritt für Schritt umgesetzt werden können. Zu den wesentlichsten Maßnahmen mit großer Wirkung zählen die Fortsetzung des PV-Ausbaus auf den Dächern im Besitz der Stadt, Verdichtung des öffentlichen Verkehrs sowie die Umstellung der städtischen Gebäude von fossilen auf klimafreundliche Heizsysteme. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich nachhaltige Mobilität. Der Klimafahrplan baut auf bereits umgesetzten Investitionen auf und sieht den weiteren Ausbau von öffentlichem Verkehr, Rad- und Fußwegen vor, um innerstädtische Wege klimafreundlich und sicher zurücklegen zu können. Auch die schrittweise Umstellung städtischer Fahrzeugflotten auf emissionsarme Antriebe ist Teil dieses Weges. Neben diesen groß angelegten Projekten enthält der Fahrplan auch zahlreiche kleinere, aber wirkungsvolle Maßnahmen, die unmittelbar im Alltag spürbar sind. Dazu zählen etwa zusätzliche Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum, Entsiegelungsprojekte zur Verbesserung des Stadtklimas oder Initiativen zur Bewusstseinsbildung in den Bereichen Energieeinsparung und Abfallvermeidung. Auch im Bereich Kreislaufwirtschaft setzt Eisenstadt auf niederschwellige Ansätze: Die Förderung von Reparatur-, Wiederverwendungs- und Recyclingangeboten soll dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und Abfallmengen weiter zu reduzieren.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Forschung und lokalen Akteurinnen und Akteuren habe wesentlich dazu beigetragen, praxisnahe Lösungen mit hoher Akzeptanz zu entwickeln. Die Vision hinter dem Klimafahrplan ist klar: Eisenstadt soll eine klimafitte, lebenswerte und gesunde Stadt werden, die Klimaschutz und Klimawandelanpassung gemeinsam denkt und aktiv gestaltet.  „Wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam anpacken – mit Mut, Kreativität und einem klaren Plan –, kann Eisenstadt nicht nur klimaneutral werden, sondern auch Vorbild für viele andere Städte sein“, zeigt sich Bürgermeister Steiner überzeugt.

Eisenstadt ist Teil der bundesweiten Mission „Klimaneutrale Stadt“ und damit eine von 47 österreichischen Pionierstädten, die neue Wege Richtung Klimaneutralität gehen.

Keding: „Kein starres Papier, sondern lebendes Instrument“

Erarbeitet wurde der Klimaneutralitätsfahrplan in einem rund 18-monatigen, interdisziplinären Prozess gemeinsam von der Stadt Eisenstadt, Forschung Burgenland und dem AIT Austrian Institute of Technology. Zentrale Grundlage waren eine detaillierte Analyse der Ausgangslage sowie die aktive Einbindung lokaler Stakeholder aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Marcus Keding, Geschäftsführer der Forschung Burgenland erläutert die Entstehung des Fahrplans: „Der Klimaneutralitätsfahrplan ist das Ergebnis eines intensiven, wissenschaftlich fundierten und zugleich stark partizipativen Prozesses. Ziel war es, bestehende Stärken Eisenstadts sichtbar zu machen und daraus realistische, umsetzbare Maßnahmen abzuleiten. Besonders wichtig war uns, dass der Fahrplan nicht als starres Papier verstanden wird, sondern als lebendes Instrument, das laufend weiterentwickelt werden kann.“

Große Mehrheit: ÖVP, SPÖ und Grüne stimmten zu.

Die 2. Vizebürgermeisterin Charlottet Toth-Kanyak betont: „Der Klimafahrplan Eisenstadt 2024 ist für uns mehr als ein Maßnahmenkatalog – er ist ein klares Bekenntnis zu Verantwortung, Weitblick und Lebensqualität für kommende Generationen. Mit dem vorliegenden Klimafahrplan setzen wir konkrete Schritte: vom Ausbau erneuerbarer Energien über klimafitte Stadtplanung bis hin zu nachhaltiger Mobilität. Damit stärken wir nicht nur den Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch die regionale Wertschöpfung und die Zukunftssicherheit Eisenstadts. Unser Ziel ist klar: Eisenstadt soll Vorreiterin im kommunalen Klimaschutz bleiben – innovativ, solidarisch und entschlossen. Der Klimafahrplan 2040 ist dafür ein wichtiger Meilenstein, den wir gemeinsam mit der Bevölkerung, der Wirtschaft und unseren Partnerinstitutionen umsetzen werden.

Für Klubobfrau der GRÜNEN Samara Sánchez Pöll ist der Fahrplan ein wichtiges Signal: „Die Klimakrise ist nichts Abstraktes, nichts, das irgendwo anders passiert – sie ist da, auch hier in Eisenstadt.“ Gleichzeitig sei der Fahrplan bewusst als Projekt für die Eisenstädterinnen und Eisenstädter gedacht: „Mich freut besonders, dass so viele konkrete und greifbare Maßnahmen für die Menschen in unserer Stadt enthalten sind – vom Ding-Leih-Konzept über das neue Klimabürgerbudget bis hin zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Bushaltestellen und eines durchgängigen Radwegenetzes.“ Der Fahrplan verbindet damit strategische Klimaziele mit alltagstauglichen Verbesserungen wie mehr Begrünung, Entsiegelung, Förderangeboten und einer nachhaltigen Mobilitätsinfrastruktur.

Konkrete und umsetzbare Lösungen für eine klimafitte Stadt

Auch das AIT war maßgeblich an der Entstehung beteiligt. Dr. Friederich Kupzog, Leiter des Bereiches Energieforschung am AIT Austrian Institute of Technology betont: „Wir freuen uns, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung aus der Entwicklung von Klimaneutralitätsfahrplänen für Kommunen unterschiedlicher Größe in das gemeinsame Projekt mit Eisenstadt einbringen konnten. Die Stadt engagiert sich stark für Innovationen im Energiebereich und ist auch ein wichtiger Partner im gemeinsamen Reallabor cells4.energy. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Stadtverwaltung und Politik ist, um konkrete und umsetzbare Lösungen für eine klimafitte Stadt zu entwickeln – mit nachhaltigem Nutzen für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger.“

Mit dem Gemeinderatsbeschluss Anfang Feber fiel der Startschuss für die Umsetzung. Ab sofort bildet dieser Maßnahmenkatalog die Grundlage für konkrete Projekte, Investitionen und Entscheidungen in den kommenden Jahren. „Ich lade alle Bürgerinnen und Bürger ein, diesen Weg mit uns zu gehen“, so der Bürgermeister abschließend. „Denn nur gemeinsam schaffen wir die klimafitte Stadt von morgen.“